Küstenweg am nordfriesischen Wattenmeer

Wirtschaftsblog

Nordfriesland

Blog Archiv Juli 2026

Ein spannender Artikel - und wie er von einer Zeitung unterdrückt wird

von Birger Bahlo

Rein private Initiative: Aktivisten holten einst den Tower für den Flugplatz Husum-Schwesing aus dem Siegerland nach Nordfriesland. Rudolf Apeldorn schnitt den dort zum Verkauf stehenden Tower auseinander und schweißte ihn in Schwesing wieder zusammen. Foto: Apeldorn

Dieser Text wurde von mir am Donnerstag, 23. Juli, um 19.45 Uhr in Absprache mit der Sportfluggruppe Husum im shz-Portal "Wir von hier" eingereicht.
Lest gleich dahinter, wie die Ablehnung der Veröffentlichung von der Redaktion des shz begründet wurde.

Der Flugplatz Husum-Schwesing blickt auf eine wechselvolle Geschichte zurück. Hinter dem zivilen Betrieb stehen zahlreiche engagierte Persönlichkeiten aus Nordfriesland, die den Standort maßgeblich geprägt haben.

Schwesing. Wer heute über den Verkehrslandeplatz Husum-Schwesing (EDXJ) in Nordfriesland berichtet, spricht über Raketenabwehr, Sicherheitsbereiche und militärische Notwendigkeiten. Das mag angesichts der weltpolitischen Lage verständlich sein. Dort ist der Sportfluggruppe Husum und allen anderen Nutzern nämlich gekündigt worden, weil an dem Standort das Luftverteidigungssystem Arrow 3 alle Flächen benötigen wird. Die Husumer Nachrichten hatten ausführlich berichtet.

„Wer die Geschichte dieses Standortes wirklich kennt, weiß aber: Der Flugplatz war weit mehr als ein militärischer Außenposten der Bundeswehr.“ So fasst das Rudolf Apeldorn rückblickend zusammen. Er hat den Aufbau des Platzes aktiv mitgestaltet und ist ihm stets eng verbunden geblieben. Der Bauingenieur und Wirtschaftsingenieur ist Gründer und Geschäftsführer einer Stahlbaufirma mit Standorten in Husum und Rotenburg (Wümme).

Apeldorn betont, er spreche „ganz im Geiste von Reinhard Mesch“ (1927 bis 2004) und erklärt das damit, dass Oberst Reinhard Mesch von 1977 bis 1982 Kommodore des Husumer Jet-Geschwaders war und in den 1990er-Jahren maßgeblich die zivile Mitnutzung des Flugplatzes Schwesing mit auf den Weg gebracht habe. Zudem war Mesch eine Weile Geschäftsführer der Betreibergesellschaft Flughafen Husum.

Für Rudolf Apeldorn ist der Flugplatz über Jahrzehnte ein Stück nordfriesischer Infrastruktur gewesen – „und das nicht durch Zufall, sondern weil engagierte Bürger Verantwortung übernommen haben.“ Die Berichterstattung in den regionalen Medien vermittelte seiner Ansicht nach den Eindruck, als sei die zivile Nutzung lediglich eine beiläufige Episode gewesen – „ein paar Oldtimer-Treffen, Festivals und Flohmärkte. Das wird der tatsächlichen Geschichte nicht annähernd gerecht“, sagt er und erzählt, wie er alles erlebt hat.

Die zivile Nutzung des Flughafens Husum-Schwesing sei nicht durch staatliche Programme oder politische Visionen entstanden. „Sie entstand aus Initiative, Mut und Beharrlichkeit einzelner Menschen aus der Region. Zu ihnen zählten leidenschaftliche Akteure wie Uwe Paulsen, Thomas Hansen, Jens Kahl und Rolly Waldbruch von der Sportfluggruppe.“ Sie hätten mit weiteren Unterstützern, wie auch von Apeldorn selbst, erhebliche Zeit, finanzielle Mittel und persönliche Energie investiert, um aus einem militärisch geprägten Gelände einen funktionierenden zivilen Standort zu entwickeln.

Apeldorn betont ausdrücklich: „Es ging dabei nie nur um Sportfliegerei. Es ging um die Idee, dass Nordfriesland Infrastruktur braucht. Dass wirtschaftliche Entwicklung nicht allein in Kiel oder Berlin entschieden werden darf. Dass ein Flugplatz im ländlichen Raum Chancen eröffnet – für Unternehmen, Technik, Veranstaltungen, Tourismus und regionale Vernetzung.“

Auch die Stadt Husum habe diese Entwicklung damals unterstützt. Ohne diesen Rückhalt wäre vieles nicht möglich gewesen. Vor allem aber habe es Menschen gebraucht, die bereit waren, Verantwortung zu übernehmen, Risiken einzugehen und gegen Widerstände anzutreten.

Wer die alten Unterlagen kenne, wisse, welcher Aufwand tatsächlich hinter diesem Projekt stand: Gesellschaftsverträge, Beteiligungsmodelle, Hallenplanungen, Gespräche mit Gemeinden, wirtschaftliche Konzepte und unzählige Sitzungen. Vieles davon wurde ehrenamtlich oder mit erheblichem persönlichem Einsatz getragen.

Besonders zu nennen bleibe Hasso von Dammann, der als Geschäftsführer von 2005 bis zu seinem Tod im Vorjahr die operative Verantwortung mitgetragen habe und mit seiner Frau enorme Arbeit in den Standort investierte. Von Dammann war Physiker und hatte bereits 2004 vorgeschlagen, Wasserstoff als Stromspeicher aus erneuerbaren Energien auf dem Flugplatz zu verwenden. Auch Apeldorn engagierte sich seit jeher für die Integration von Photovoltaikanlagen, Speichertechnologien, intelligentem Energiemanagement und dezentralen Versorgungskonzepten in moderne Gewerbeimmobilien. Für den Flugplatz gelang diese Transformation so nicht mehr.

„Und vielleicht sollte man auch daran erinnern, dass viele dieser Menschen keine Investoren aus anonymen Fonds waren. Es waren Nordfriesen. Menschen mit Bezug zur Region, zur Fliegerei und zur wirtschaftlichen Zukunft dieses Landstrichs“, fährt Apeldorn fort.

Nun kehrt der Flugplatz vollständig in die militärische Nutzung zurück. Das mag politisch notwendig sein. Aber notwendig wäre ebenso ein Mindestmaß an historischer Fairness, fordert Rudolf Apeldorn. „Wer heute erklärt, Schwesing bekomme ,eine neue Bedeutung‘, der sollte nicht vergessen: Bedeutung hatte dieser Standort schon lange zuvor. Nicht wegen internationaler Raketenabwehrsysteme. Sondern weil Generationen von Bürgern ihn über Jahrzehnte aufgebaut, getragen und mit Leben gefüllt haben.“Dieser Text wurde erstellt von:
Birger Bahlo, Sportfluggruppe Husum

So begründet das Portal die Ablehnung - was auch andere Vereine nachdenklcih machen könnte:

In vollem Wortlaut: "Hallo Herr Bahlo, vielen Dank für die Einsendung Ihres Beitrags zur Geschichte und zivilen Entwicklung des Flugplatzes Husum-Schwesing.

Das Lokalportal Wir von hier versteht sich als Plattform für das aktive Vereinsleben, die Nachbarschaft, kulturelle Veranstaltungen und das ehrenamtliche Gemeinschaftsleben in unserer Region. Unser Portal ist bewusst kein Raum für politische Debatten, Meinungskommentare oder Stellungnahmen zu aktuellen kommunalen und landespolitischen Entschlüssen.

Da Ihr Bericht eine Meinungsäußerung sowie eine kritische Auseinandersetzung mit der aktuellen Entscheidung zur künftigen Nutzung des Flugplatzes darstellt, können wir den Beitrag im Rahmen unserer redaktionellen Richtlinien leider so nicht veröffentlichen.

Wir bitten um Ihr Verständnis und freuen uns, wenn Sie uns bei kommenden rein vereinsbezogenen Ankündigungen oder Berichten der Sportfluggruppe Husum (z. B. zu Tagen der offenen Tür oder gemeinnützigen Aktionen) wieder kontaktieren.
Herzliche Grüße aus der Fördestraße"

 

Nachsatz: Mehr als vier Wochen ist es her, dass ich die zuständige Redakteurin der Husumer Nachrichten fragte, ob und wie der Text in die Print-Ausgabe kommen könnte. Sie durchdachte mehrere Möglichkeiten inklusive der erforderlichen Rücksprache mit ihrem Chef. Sie hatte keine Einwände, es auch im Portal Wir von hier zu veröffentlichen. Bis heute habe ich keine Rückmeldung erhalten. Also veröffentlichen wir jetzt auf mehreren Kanälen im Netz selbst.

 

Labor in Nordfriesland fälscht Blutwerte: Jetzt redet ein Gutachter Tacheles

von Birger Bahlo

Ein gerichtlich bestellter Gutachter analysierte Ausstattung und Arbeitsweise des nordfriesischen Labors (Symbolbild), das gefälschte Blutwerte an Patienten verschickte.
Foto: Michal Jarmoluk/Pixabay

Tausendfach lieferte ein Labor in Wittbek / Nordfriesland an Patienten Blutwerte, die laut Landeskriminalamt lediglich mit einem Zufallsgenerator hergestellt worden waren. Kurios: In München stützte kürzlich eine Kundin des Labors eine Zivilklage ausgerechnet auf diese gefälschten Blutwerte. Das Gericht bestellte einen Gutachter, der das Labor und seine Arbeitsweise gründlich untersucht hat. Hier im Wirtschaftsblog Nordfriesland berichtet er exklusiv und erstmals, was seine gründlichen Recherchen ergeben haben - und wie der Prozess in München ausging.

Nordfriesland. Jetzt spricht ein Gutachter über die laut Ermittlern des Landeskriminalamtes (LKA) gefälschten Blutwerte, mit denen ein Labor in Wittbek (Nordfriesland) 8.717 Patienten betrogen haben soll. Schaden: vier Millionen Euro. Seine Recherchen machen die medizinische Dimension des Ganzen deutlich, während das strafrechtliche Verfahren wegen des Todes des angeklagten Geschäftsführers bereits im Vorjahr eingestellt worden war. Ich habe lange Gespräche mit dem Gutachter geführt, der hier namentlich nicht genannt werden möchte. Er bleibt im Hintergrund, es geht ihm und mir um die Sache.

Das Landgericht München hatte im Fall der Klage einer Patientin mit Brustimplantaten aus Silikon einen Fachärztlichen Gutachter beauftragt. Dieser – jahrzehntelang mit Brustimplantaten und deren Komplikationen beschäftigt – analysierte die Klageschrift und die vorgelegten Laborergebnisse und bewertete sie als nicht glaubhaft und zudem mit der angeblich angewandten Analysemethode gar nicht ermittelbar.

Das Kuriose an dem Prozess in München: Die Klägerin und ihre Anwältin bezogen sich ausgerechnet auf die gefährlich hohen Werte, die das Labor ihr mitgeteilt hatte – alle gefälscht nach Ansicht des LKA Schleswig-Holstein.

Die Klägerin hatte sich offenbar im Internet auf der Homepage einer Selbsthilfegruppe über einen Link das Angebot des Labors in Wittbek besorgt und auf eigene Rechnung eine Analyse erstellen lassen. Die eingesandte Blutprobe war rund anderthalb Jahre nach dem Ausbau ihres Implantats entnommen worden. Da fragte der Gutachter, warum angesichts so „hoher“ Werte bei der Frau nicht umgehend eine Kontrolluntersuchung vorgenommen worden sei, um Fehler bei der Analyse ausschließen zu können?

Die Ergebnisse dieser „Analyse“ in tabellarischer Form waren die wesentliche Grundlage für die Klage bei Gericht, in der von einer massiven Vergiftung durch Schwermetalle und Silikonbestandteile gesprochen wird. Die Anwältin, über die die Klage formuliert und eingereicht wurde, hatte ebenfalls auf der Homepage der Selbsthilfegruppe inseriert.

Das Labor in Nordfriesland versprach, unter anderem Krebsmarker, Silikone oder Schwermetalle finden zu können. Wörtlich: „Ob sich Silikone in eurem Blut befinden, kann unser Labor für euch überprüfen. Dort können zahlreiche Schadstoffe (Umweltgifte) im Blut nachgewiesen werden.“ 27 verschiedene Silikone oder auch Schwermetalle würden sich nachweisen lassen, so das Angebot.

Von „tolerabel“, über „hoch“ und „sehr hoch“ bis zu „grenzwertig“ schrieb das Labor zu der Liste der Blutwerte aus dem Zufallsgenerator. Von 20 Werten seien lediglich fünf tolerierbar, heißt es dort. Unterm Strich klang das bedrohlich für die Patientin.

Der Gutachter: „Die angebliche Analysemethode „IEC Intracellular electric capacity in Lymphycytes“, die das Labor ihm auf persönliche Nachfrage in Wittbek mitgeteilt hatte, „ist offenbar eine ,Privattechnik’, die eher dem Auspendeln von Lebensmitteln durch Homöopathen ähnelt“. Sie sei in der Fachliteratur als Methode gar nicht auffindbar.

Im Zuge seiner Recherchen wurde der Gutachter auf mehrere Medienberichte in Schleswig-Holstein aufmerksam, die die Vorwürfe der Staatsanwaltschaft spiegelten. Laut Landeskriminalamt habe das Labor gar nicht über die erforderlichen Instrumente für solche Untersuchungen verfügt, stattdessen die Werte von einem Zufallsgenerator ausspucken lassen.

Der Gutachter betont, internationaler Standard für den Nachweis von chemischen Elementen sei die Gaschromatographie. Alle universitären und industriellen Untersucher würden sich der Gaschromatographie bedienen. Im Blut lassen sich bestenfalls das chemische Element Silikon, keineswegs aber Silikone, also polymere Silikonverbindungen nachweisen, von denen das Labor mehr als ein Dutzend bis auf eine Stelle hinter dem Komma nachgewiesen haben wollte. Nach Aussage des Gutachters „ist die vorgelegte Analyse Schwindel“.

Inzwischen ist das Labor insolvent, dort wird nicht mehr gearbeitet und das erst vor acht Jahren frisch errichtete Gebäude steht zum Verkauf. Nachdem diese gutachterliche Beurteilung das Konzept der Klage durchkreuzte und ein Befangenheitsantrag gegen den Gutachter abgelehnt wurde, erhielt das Gericht in München, das bis dahin von den kriminellen Machenschaften des Labors noch nichts wusste, die entsprechenden Informationen nachgereicht. In der Verhandlung kam die zuvor in der Klageschrift ausführlich begründete „Vergiftung“ mit keinem Wort mehr zur Sprache. Die Klage wurde abgewiesen.

Der Gutachter wundert sich, dass angesichts so „hoher“ Werte bei der Patientin nicht eine Kontrolluntersuchung vorgenommen wurde. Vor allem aber drängt sich die Frage auf, wie viele andere Patienten durch fiktive Laborwerte fälschlich für krank erklärt und stark verunsichert wurden.

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Birger Bahlo

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