Küstenweg am nordfriesischen Wattenmeer

Wirtschaftsblog

Nordfriesland

Blog Archiv 2026

Ein spannender Artikel - und wie er von einer Zeitung unterdrückt wird

von Birger Bahlo

Rein private Initiative: Aktivisten holten einst den Tower für den Flugplatz Husum-Schwesing aus dem Siegerland nach Nordfriesland. Rudolf Apeldorn schnitt den dort zum Verkauf stehenden Tower auseinander und schweißte ihn in Schwesing wieder zusammen. Foto: Apeldorn

Dieser Text wurde von mir am Donnerstag, 23. Juli, um 19.45 Uhr in Absprache mit der Sportfluggruppe Husum im shz-Portal "Wir von hier" eingereicht.
Lest gleich dahinter, wie die Ablehnung der Veröffentlichung von der Redaktion des shz begründet wurde.

Der Flugplatz Husum-Schwesing blickt auf eine wechselvolle Geschichte zurück. Hinter dem zivilen Betrieb stehen zahlreiche engagierte Persönlichkeiten aus Nordfriesland, die den Standort maßgeblich geprägt haben.

Schwesing. Wer heute über den Verkehrslandeplatz Husum-Schwesing (EDXJ) in Nordfriesland berichtet, spricht über Raketenabwehr, Sicherheitsbereiche und militärische Notwendigkeiten. Das mag angesichts der weltpolitischen Lage verständlich sein. Dort ist der Sportfluggruppe Husum und allen anderen Nutzern nämlich gekündigt worden, weil an dem Standort das Luftverteidigungssystem Arrow 3 alle Flächen benötigen wird. Die Husumer Nachrichten hatten ausführlich berichtet.

„Wer die Geschichte dieses Standortes wirklich kennt, weiß aber: Der Flugplatz war weit mehr als ein militärischer Außenposten der Bundeswehr.“ So fasst das Rudolf Apeldorn rückblickend zusammen. Er hat den Aufbau des Platzes aktiv mitgestaltet und ist ihm stets eng verbunden geblieben. Der Bauingenieur und Wirtschaftsingenieur ist Gründer und Geschäftsführer einer Stahlbaufirma mit Standorten in Husum und Rotenburg (Wümme).

Apeldorn betont, er spreche „ganz im Geiste von Reinhard Mesch“ (1927 bis 2004) und erklärt das damit, dass Oberst Reinhard Mesch von 1977 bis 1982 Kommodore des Husumer Jet-Geschwaders war und in den 1990er-Jahren maßgeblich die zivile Mitnutzung des Flugplatzes Schwesing mit auf den Weg gebracht habe. Zudem war Mesch eine Weile Geschäftsführer der Betreibergesellschaft Flughafen Husum.

Für Rudolf Apeldorn ist der Flugplatz über Jahrzehnte ein Stück nordfriesischer Infrastruktur gewesen – „und das nicht durch Zufall, sondern weil engagierte Bürger Verantwortung übernommen haben.“ Die Berichterstattung in den regionalen Medien vermittelte seiner Ansicht nach den Eindruck, als sei die zivile Nutzung lediglich eine beiläufige Episode gewesen – „ein paar Oldtimer-Treffen, Festivals und Flohmärkte. Das wird der tatsächlichen Geschichte nicht annähernd gerecht“, sagt er und erzählt, wie er alles erlebt hat.

Die zivile Nutzung des Flughafens Husum-Schwesing sei nicht durch staatliche Programme oder politische Visionen entstanden. „Sie entstand aus Initiative, Mut und Beharrlichkeit einzelner Menschen aus der Region. Zu ihnen zählten leidenschaftliche Akteure wie Uwe Paulsen, Thomas Hansen, Jens Kahl und Rolly Waldbruch von der Sportfluggruppe.“ Sie hätten mit weiteren Unterstützern, wie auch von Apeldorn selbst, erhebliche Zeit, finanzielle Mittel und persönliche Energie investiert, um aus einem militärisch geprägten Gelände einen funktionierenden zivilen Standort zu entwickeln.

Apeldorn betont ausdrücklich: „Es ging dabei nie nur um Sportfliegerei. Es ging um die Idee, dass Nordfriesland Infrastruktur braucht. Dass wirtschaftliche Entwicklung nicht allein in Kiel oder Berlin entschieden werden darf. Dass ein Flugplatz im ländlichen Raum Chancen eröffnet – für Unternehmen, Technik, Veranstaltungen, Tourismus und regionale Vernetzung.“

Auch die Stadt Husum habe diese Entwicklung damals unterstützt. Ohne diesen Rückhalt wäre vieles nicht möglich gewesen. Vor allem aber habe es Menschen gebraucht, die bereit waren, Verantwortung zu übernehmen, Risiken einzugehen und gegen Widerstände anzutreten.

Wer die alten Unterlagen kenne, wisse, welcher Aufwand tatsächlich hinter diesem Projekt stand: Gesellschaftsverträge, Beteiligungsmodelle, Hallenplanungen, Gespräche mit Gemeinden, wirtschaftliche Konzepte und unzählige Sitzungen. Vieles davon wurde ehrenamtlich oder mit erheblichem persönlichem Einsatz getragen.

Besonders zu nennen bleibe Hasso von Dammann, der als Geschäftsführer von 2005 bis zu seinem Tod im Vorjahr die operative Verantwortung mitgetragen habe und mit seiner Frau enorme Arbeit in den Standort investierte. Von Dammann war Physiker und hatte bereits 2004 vorgeschlagen, Wasserstoff als Stromspeicher aus erneuerbaren Energien auf dem Flugplatz zu verwenden. Auch Apeldorn engagierte sich seit jeher für die Integration von Photovoltaikanlagen, Speichertechnologien, intelligentem Energiemanagement und dezentralen Versorgungskonzepten in moderne Gewerbeimmobilien. Für den Flugplatz gelang diese Transformation so nicht mehr.

„Und vielleicht sollte man auch daran erinnern, dass viele dieser Menschen keine Investoren aus anonymen Fonds waren. Es waren Nordfriesen. Menschen mit Bezug zur Region, zur Fliegerei und zur wirtschaftlichen Zukunft dieses Landstrichs“, fährt Apeldorn fort.

Nun kehrt der Flugplatz vollständig in die militärische Nutzung zurück. Das mag politisch notwendig sein. Aber notwendig wäre ebenso ein Mindestmaß an historischer Fairness, fordert Rudolf Apeldorn. „Wer heute erklärt, Schwesing bekomme ,eine neue Bedeutung‘, der sollte nicht vergessen: Bedeutung hatte dieser Standort schon lange zuvor. Nicht wegen internationaler Raketenabwehrsysteme. Sondern weil Generationen von Bürgern ihn über Jahrzehnte aufgebaut, getragen und mit Leben gefüllt haben.“Dieser Text wurde erstellt von:
Birger Bahlo, Sportfluggruppe Husum

So begründet das Portal die Ablehnung - was auch andere Vereine nachdenklcih machen könnte:

In vollem Wortlaut: "Hallo Herr Bahlo, vielen Dank für die Einsendung Ihres Beitrags zur Geschichte und zivilen Entwicklung des Flugplatzes Husum-Schwesing.

Das Lokalportal Wir von hier versteht sich als Plattform für das aktive Vereinsleben, die Nachbarschaft, kulturelle Veranstaltungen und das ehrenamtliche Gemeinschaftsleben in unserer Region. Unser Portal ist bewusst kein Raum für politische Debatten, Meinungskommentare oder Stellungnahmen zu aktuellen kommunalen und landespolitischen Entschlüssen.

Da Ihr Bericht eine Meinungsäußerung sowie eine kritische Auseinandersetzung mit der aktuellen Entscheidung zur künftigen Nutzung des Flugplatzes darstellt, können wir den Beitrag im Rahmen unserer redaktionellen Richtlinien leider so nicht veröffentlichen.

Wir bitten um Ihr Verständnis und freuen uns, wenn Sie uns bei kommenden rein vereinsbezogenen Ankündigungen oder Berichten der Sportfluggruppe Husum (z. B. zu Tagen der offenen Tür oder gemeinnützigen Aktionen) wieder kontaktieren.
Herzliche Grüße aus der Fördestraße"

 

Nachsatz: Mehr als vier Wochen ist es her, dass ich die zuständige Redakteurin der Husumer Nachrichten fragte, ob und wie der Text in die Print-Ausgabe kommen könnte. Sie durchdachte mehrere Möglichkeiten inklusive der erforderlichen Rücksprache mit ihrem Chef. Sie hatte keine Einwände, es auch im Portal Wir von hier zu veröffentlichen. Bis heute habe ich keine Rückmeldung erhalten. Also veröffentlichen wir jetzt auf mehreren Kanälen im Netz selbst.

 

Labor in Nordfriesland fälscht Blutwerte: Jetzt redet ein Gutachter Tacheles

von Birger Bahlo

Ein gerichtlich bestellter Gutachter analysierte Ausstattung und Arbeitsweise des nordfriesischen Labors (Symbolbild), das gefälschte Blutwerte an Patienten verschickte.
Foto: Michal Jarmoluk/Pixabay

Tausendfach lieferte ein Labor in Wittbek / Nordfriesland an Patienten Blutwerte, die laut Landeskriminalamt lediglich mit einem Zufallsgenerator hergestellt worden waren. Kurios: In München stützte kürzlich eine Kundin des Labors eine Zivilklage ausgerechnet auf diese gefälschten Blutwerte. Das Gericht bestellte einen Gutachter, der das Labor und seine Arbeitsweise gründlich untersucht hat. Hier im Wirtschaftsblog Nordfriesland berichtet er exklusiv und erstmals, was seine gründlichen Recherchen ergeben haben - und wie der Prozess in München ausging.

Nordfriesland. Jetzt spricht ein Gutachter über die laut Ermittlern des Landeskriminalamtes (LKA) gefälschten Blutwerte, mit denen ein Labor in Wittbek (Nordfriesland) 8.717 Patienten betrogen haben soll. Schaden: vier Millionen Euro. Seine Recherchen machen die medizinische Dimension des Ganzen deutlich, während das strafrechtliche Verfahren wegen des Todes des angeklagten Geschäftsführers bereits im Vorjahr eingestellt worden war. Ich habe lange Gespräche mit dem Gutachter geführt, der hier namentlich nicht genannt werden möchte. Er bleibt im Hintergrund, es geht ihm und mir um die Sache.

Das Landgericht München hatte im Fall der Klage einer Patientin mit Brustimplantaten aus Silikon einen Fachärztlichen Gutachter beauftragt. Dieser – jahrzehntelang mit Brustimplantaten und deren Komplikationen beschäftigt – analysierte die Klageschrift und die vorgelegten Laborergebnisse und bewertete sie als nicht glaubhaft und zudem mit der angeblich angewandten Analysemethode gar nicht ermittelbar.

Das Kuriose an dem Prozess in München: Die Klägerin und ihre Anwältin bezogen sich ausgerechnet auf die gefährlich hohen Werte, die das Labor ihr mitgeteilt hatte – alle gefälscht nach Ansicht des LKA Schleswig-Holstein.

Die Klägerin hatte sich offenbar im Internet auf der Homepage einer Selbsthilfegruppe über einen Link das Angebot des Labors in Wittbek besorgt und auf eigene Rechnung eine Analyse erstellen lassen. Die eingesandte Blutprobe war rund anderthalb Jahre nach dem Ausbau ihres Implantats entnommen worden. Da fragte der Gutachter, warum angesichts so „hoher“ Werte bei der Frau nicht umgehend eine Kontrolluntersuchung vorgenommen worden sei, um Fehler bei der Analyse ausschließen zu können?

Die Ergebnisse dieser „Analyse“ in tabellarischer Form waren die wesentliche Grundlage für die Klage bei Gericht, in der von einer massiven Vergiftung durch Schwermetalle und Silikonbestandteile gesprochen wird. Die Anwältin, über die die Klage formuliert und eingereicht wurde, hatte ebenfalls auf der Homepage der Selbsthilfegruppe inseriert.

Das Labor in Nordfriesland versprach, unter anderem Krebsmarker, Silikone oder Schwermetalle finden zu können. Wörtlich: „Ob sich Silikone in eurem Blut befinden, kann unser Labor für euch überprüfen. Dort können zahlreiche Schadstoffe (Umweltgifte) im Blut nachgewiesen werden.“ 27 verschiedene Silikone oder auch Schwermetalle würden sich nachweisen lassen, so das Angebot.

Von „tolerabel“, über „hoch“ und „sehr hoch“ bis zu „grenzwertig“ schrieb das Labor zu der Liste der Blutwerte aus dem Zufallsgenerator. Von 20 Werten seien lediglich fünf tolerierbar, heißt es dort. Unterm Strich klang das bedrohlich für die Patientin.

Der Gutachter: „Die angebliche Analysemethode „IEC Intracellular electric capacity in Lymphycytes“, die das Labor ihm auf persönliche Nachfrage in Wittbek mitgeteilt hatte, „ist offenbar eine ,Privattechnik’, die eher dem Auspendeln von Lebensmitteln durch Homöopathen ähnelt“. Sie sei in der Fachliteratur als Methode gar nicht auffindbar.

Im Zuge seiner Recherchen wurde der Gutachter auf mehrere Medienberichte in Schleswig-Holstein aufmerksam, die die Vorwürfe der Staatsanwaltschaft spiegelten. Laut Landeskriminalamt habe das Labor gar nicht über die erforderlichen Instrumente für solche Untersuchungen verfügt, stattdessen die Werte von einem Zufallsgenerator ausspucken lassen.

Der Gutachter betont, internationaler Standard für den Nachweis von chemischen Elementen sei die Gaschromatographie. Alle universitären und industriellen Untersucher würden sich der Gaschromatographie bedienen. Im Blut lassen sich bestenfalls das chemische Element Silikon, keineswegs aber Silikone, also polymere Silikonverbindungen nachweisen, von denen das Labor mehr als ein Dutzend bis auf eine Stelle hinter dem Komma nachgewiesen haben wollte. Nach Aussage des Gutachters „ist die vorgelegte Analyse Schwindel“.

Inzwischen ist das Labor insolvent, dort wird nicht mehr gearbeitet und das erst vor acht Jahren frisch errichtete Gebäude steht zum Verkauf. Nachdem diese gutachterliche Beurteilung das Konzept der Klage durchkreuzte und ein Befangenheitsantrag gegen den Gutachter abgelehnt wurde, erhielt das Gericht in München, das bis dahin von den kriminellen Machenschaften des Labors noch nichts wusste, die entsprechenden Informationen nachgereicht. In der Verhandlung kam die zuvor in der Klageschrift ausführlich begründete „Vergiftung“ mit keinem Wort mehr zur Sprache. Die Klage wurde abgewiesen.

Der Gutachter wundert sich, dass angesichts so „hoher“ Werte bei der Patientin nicht eine Kontrolluntersuchung vorgenommen wurde. Vor allem aber drängt sich die Frage auf, wie viele andere Patienten durch fiktive Laborwerte fälschlich für krank erklärt und stark verunsichert wurden.

Flugplatz Wyk auf Föhr soll fit für die Zukunft werden

von Birger Bahlo

Jetzt ist die Katze aus dem Sack. Uns liegt das Konzept vor, mit dem der Flugplatz EDXY Wyk auf Föhr fit für die Zukunft gemacht werden soll. Entwickelt haben es die drei Investoren Prof. Dr. Frederik Paulsen, Dirk Lehmann und Dr. Matthias Redlefsen, alles erfolgreiche Unternehmer, die sich eng mit der Insel Föhr verbunden fühlen. Sie haben sich in der Wyker Aviation GmbH vereint.

Die Stadt Wyk und die Reederei WDR hatten die Start- und Landebahn 09/27 schließen und dort einen Wohnmobilplatz errichten wollen. Wegen ihrer Ost-West-Richtung ist sie aus Sicht der Piloten aber viel sicherer als die Bahn 02/20.

Die Investoren wollen beide Landebahnen erhalten und ertüchtigen und sehen sich damit im Rahmen der bestehenden luftverkehrsrechtlichen Genehmigungen. Die Bahnen sollen umweltverträglich so befestigt, dass neben der privaten Fliegerei auch gewerbliche Flüge zugelassen werden können (namentlich Charterflüge, Rundflüge und Passagiertransporte im Bedarfsverkehr). Die Tankstelle auf dem Platz wird umweltverträglich neu aufgebaut. Seit kurzem können dort Elektro-Flugzeuge „betankt“ werden – dank eines besonderen Einsatzes des ehemaligen Ministerpräsidenten Peter Harry Carstensen.

Restaurant, Hangar und Towergebäude seien aus baulicher Sicht nicht zu erhalten und müssten neu errichtet werden. Gebäude sollen ihren Energiebedarf mit Photovoltaik-Anlagen autark decken können. In den Gebäuden sollen Warteräume geschaffen werden, außerdem Räume, in denen die Crews ihre Flüge vorbereiten können. Angedacht ist, Büros für Betriebe zu schaffen, die eng mit der Luftfahrt verbunden sind, etwa Flugmedizin, Simulatorbetrieb, Charter- und Rundflugunternehmen.

Auf den Grünflächen soll die inseltypische Artenvielfalt von Flora und Fauna erhalten und gefördert werden. Ein starker Akzent werde auf die touristische Attraktivität gelegt. Räume im Restaurant werden demnach erneuert, der Spielplatz wieder aufgebaut und ein Fahrradparkplatz mit Servicestation geschaffen.

Als Fazit empfehlen sich die Investoren mit ihrer Wyker Aviation GmbH vor allem mit diesen Argumenten als neue Betreiber des Platzes: Modernisierung durch privates Kapital, professionelles Management und langfristige Sicherung des Standortes, einschließlich seiner wirtschaftlichen Bedeutung für die ganze Insel. Sie betonen zudem, dass dadurch „schnellstmöglich“ der städtische Haushalt entlastet werden könnte.

Birger Bahlo

 

Mit Elektroflugzeugen über Schleswig-Holstein - immer mehr Ladestationen

von Birger Bahlo

Laden - und los: Die vollelektrische Pipistrel Velis Electro des Flugsport-Clubs Neumünster e.V. (FSCN) hat auch von Schachtholm bei Rendsburg aus ihren Schulungsbetrieb aufgenommen. Der Typ wird auch von Sylt aus eingesetzt. Und die Föhrer sind "elektrisiert", haben sie nun auch eine Ladestation. Foto: Matthias Allendorf

Der Flugplatz Wyk auf Föhr ist durch die drohende Schließung und das grenzwertige Gebaren von Lokalpolitik und Betreibergesellschaft in die Medien geraten. Aktuell laufen Verhandlungen mit neuen Investoren. Und die haben bereits Fakten geschaffen – in Form eines Stromanschlusses zum Laden von Elektroflugzeugen.

Für die Luftfahrt-Zeitschrift aerokurier habe ich die Lage dort recherchiert – und jetzt wird klar, dass der Elektro-Anschluss dazu beiträgt, den Flugplatz in Wyk fit für die Zukunft zu machen. Flüge mit Elektroflugzeugen nehmen nämlich gerade mächtig Fahrt auf in Schleswig-Holstein. Hier ein Überblick über die lautlose Szene.

Auf dem Flugplatz Wyk (EDXY) auf der Insel Föhr gibt es seit Jahrzehnten einen Sanierungsstau. Der Luftsportclub (LSC) hat der Betriebsgesellschaft, die der Stadt Wyk und der Reederei gehört, wiederholt vorgeworfen, sich nicht um den Erhalt zu kümmern. Seit Herbst 2024 verfolgen Stadt und Reederei zudem den Plan, die Start- und Landebahn 09-27 zu schließen, um dort einen Wohnmobilplatz zu errichten. Dabei ist die Bahn von zentraler Bedeutung für Piloten, weil sie in günstiger Ost-West-Richtung verläuft. Der aerokurier hatte mehrfach über die Entwicklungen auf der Insel berichtet.


Kurz vor Pfingsten ist diese Ladestation auf dem Flugplatz Schachtholm bei Rendsburg in Betrieb genommen worden. Geladen wird gerade das Flugzeug aus Neumünster. Matthias Allendorf war dort zum Schulflug mit einem Umschüler. Foto: Matthias Allendorf

Auf einmal katapultiert die jüngste Entwicklung den Platz unerwartet in die Zukunft der Luftfahrt: Wyk hat Anfang Mai eine Ladestation für Elektroflugzeuge und ist damit Teil eines Netzes solcher Ladepunkte für das ganze Land. Kurz vor Pfingsten ist eine weitere Ladestation auf dem Flugplatz Schachtholm (EDXR) bei Rendsburg erprobt worden. Gleich am Tag drauf flog die vollelektrische Pipistrel Velis Electro des Flugsportclubs Neumünster (FSCN) nach Schachtholm und unternahm von dort aus Schulungsflüge. Für den Heimflug hieß es „einmal volltanken“. Die Neumünsteraner hatten ihr Flugzeug bei einem Flugplatzfest im Vorjahr vorgestellt und haben es seitdem in Gebrauch. „Bundesweit gibt es davon nur eine Handvoll Maschinen, vor allem in Süddeutschland", berichtet Matthias Allendorf, Vorsitzender des FSCN. Die Neumünsteraner wollen in Sachen Elektro-Fliegerei Pionierarbeit im Norden leisten.


Die Pipistrel Velis Electro auf Sylt. Foto: Thorben Lindegaard, Green Aviation Sylt

Auch Michael Barkhausen zählt mit seiner Flugschule Green Aviation Sylt zu den Vorreitern der Elektro-Fliegerei im Land. Mit dem selben Flugzeugtyp macht auch er seine Ausbildungsflüge. Er ist überdies Leiter der Flugschule im Norden (FIN) des Luftsportverbandes SH. Das gerade jetzt immer enger werdende Netz der Ladestationen begeistert ihn. Erst dadurch könnten auch Streckenflüge im Rahmen der Ausbildung emissionsfrei trainiert werden.


Peter Harry Carstensen hatte sein Konzept zur Elektrofliegerei in Schachtholm bei Rendsburg öffentlich gemacht. Foto: Birger Bahlo

Dieses Konzept der für die Elektrofliegerei verbundenen Flugplätze hatte im April Peter Harry Carstensen, ehemals Ministerpräsident des Landes, im Rahmen des Sicherheitstages der Flugrettung (DRF) auf dem Verkehrslandeplatz Schachtholm öffentlich gemacht. Auch er hob die Bedeutung von Ladestationen für Streckenflüge hervor und zeigte sich dabei äußerst erfahren in der General Aviation. Er habe mit Betreibern der Flugplätze zwischen St. Peter-Ording im Westen und Kiel im Osten Gespräche geführt, auch die seien von den Plänen begeistert, ihre Plätze fit zu machen für die neue Antriebsart. Er sah im April voraus, dass die E-Flugzeuge womöglich schon in Kürze im Lande hin und her hüpfen können.

Ihn verbinde schon seit Jahrzehnten eine enge Freundschaft zu Frederik Paulsen, der das international bekannte Museum Kunst der Westküste gegründet hat. Paulsen ist einer der drei Investoren, die den Flugplatz Wyk übernehmen und auf Vordermann bringen wollen. Weiter stehen bereit die Unternehmer Matthias Redlefsen und Dirk Lehmann.

Carstensen hatte in Schachtholm noch jedes Wort zu den Vertragsverhandlungen auf Föhr vermieden. Am Sonnabend, 30. Mai, will er zur Rolle, die der Flugplatz Wyk auf Föhr in Zukunft spielen wird, Neues mitteilen. Paulsen habe ihm schon vor vielen Jahren gesagt, dass er alles tun wolle, um den Flugplatz für die Insulaner und ihre Gäste zu erhalten. Im Mai haben die Investoren erste Nägel eingeschlagen und ihre Ladestation aufgestellt – für Flüge in die elektrische Zukunft.
Birger Bahlo

Die Online-Version im aerokurier:
Mein Online-Artikel im aerokurier

 

Aus für Flugplatz in Schwesing und die wirtschaftlichen Folgen

von Birger Bahlo

Volker Schlee will klären, wohin die Fiat G91 „Gina“ umziehen kann. Der Flugzeugtyp flog von 1963 bis 1982 von Schwesing aus. Fotos: SFG-Husum

Kürzlich hat Kommodore Oberst Marco Manderfeld Schwesings Gemeindevertreter darüber informiert, dass der Flugplatz im Ort ab Herbst nächsten Jahres ausschließlich militärisch genutzt wird. Das bedeutet das Aus für jegliche zivile Mitnutzung – und davon gibt es jede Menge auf diesem etwas abseits gelegenen Gelände. Dort wird das israelisch-amerikanische Raketenabwehrsystem Arrow 3 stationiert, das ballistische Raketen außerhalb der Erdatmosphäre in Höhen von über 100 Kilometern abfängt. Das wird rund um die Uhr scharf geschaltet.

Der Verkehrslandeplatz Husum-Schwesing mit dem  internationalen Kürzel EDXJ, wie er offiziell heißt, hat eine kaum bekannte überregionale Bedeutung. So starten von dort immer wieder Organtransporte. Wegen der erforderlichen Schnelligkeit geschehe das mit Flächenflugzeugen, Hubschrauber seien keine Alternative, sagen Fachleute. Auch etliche Besucher der Windmesse in Husum nutzen den Platz. Im Vorjahr sei der Platz 6.273 mal angeflogen worden.

Die Firma Tennet, einer der größten Betreiber von Stromnetzen, hat sich dort fest etabliert und versorgt von dort mit Helikoptern Offshore-Anlagen. Firmen starten von Schwesing aus Vermessungsflüge. Andere dienen der Naturbeobachtung auf der Nordsee. Hubschrauber tanken, um die Stromtrassen in der Luft begutachten zu können. Patienten werden zwischen Rettungshubschrauber und Rettungswagen verlegt. Selbst der ADAC und die Bundespolizei fliegen den Platz regelmäßig an.

Die Firma Aeroclean, ein Spezialist, der Luftfahrzeuge aus Norddeutschland und Skandinavien lackiert, ist für lange Zeit ausgebucht – und muss sich nun neu aufstellen. Die Flugschule Husum hat seit 2010 245 Luftfahrer ausgebildet. Das Luftfahrtunternehmen Fly-SPO hat in den Hangars auf dem Gelände vier Flugzeuge untergestellt. Die Geschäftsführer Susanne Scheithauer und Frank Koinzer hatten sich dort nach weltweiten Flügen auf Langstrecken großer Airlines niedergelassen, um von Schwesing aus ihre Rundflüge über das Wattenmeer anzubieten. Die Gesellschaft Flughafen Husum ist für den laufenden Betrieb auf dem Platz verantwortlich, verbunden mit fünf Dauerarbeitsplätzen. Sie kümmern sich um Geschäftsführung, den Dienst auf dem Tower sowie um Feuerwehr, Tankstelle, Beleuchtung der Landebahn sowie die Hallen und die Unterbringung der rund 20 Luftfahrzeuge dort.

Heimatlos ist damit auch die Sportfluggruppe Husum (SFG) mit ihren 110 Mitgliedern, von denen die Hälfte aktive Piloten sind. Etliche von ihnen haben Wurzeln in der Bundeswehr, denn die Luftwaffe hatte einst bundesweit an ihren Standorten Sportfluggruppen als Vereine gründen helfen. Über sie sollte der fliegerische Nachwuchs gewonnen werden. Volker Schlee ist zweiter Vorsitzender der SFG. Er war selbst bei der Luftwaffe und schwärmt von der großen Unterstützung seit den sechziger Jahren durch die Bundeswehr. Die unmittelbare Nachbarschaft – nur ein Eisenzaun trennt in Schwesing militärischen und zivilen Bereich – „hat immer funktioniert“, sagt er. Alle Fragen seien pragmatisch geklärt worden, auch mit dem jetzigen Kommodore Manderfeld. Schlee weiß aber auch, dass  die Luftwaffe auf etlichen Plätzen die Konversion, also die Umwandlung zu zivilen Zwecken abbremst oder Immobilien wieder reaktiviert.

„Uns schmerzt sehr, nun per Herbst 2027 gekündigt worden zu sein“, sagt Oliver Janoschka, Vorsitzender der SFG. Gespräche, wo Mitglieder und Maschinen unterkommen können, haben begonnen. Fast wöchentlich gibt es Treffen mit Vereinen im Land, die ihre Flugplätze noch nutzen können. Irgendwann werden die Mitglieder entscheiden, wo sie ihren Sport fortsetzen wollen, erklärt Janoschka.

Claus Cordes ist Präsident des Luftsportverbandes Schleswig-Holstein und des Dachverbandes Deutscher Aero-Club. Er sieht den Verlust jedes Flugplatzes in Deutschland kritisch, denn Jugendliche können bereits ab 14 Jahren fliegen lernen. Sie seien auf kurze Wege zu Plätzen und Vereinen angewiesen. Für viele sei beispielsweise der Segelflug der Grundstein für eine erfolgreiche Karriere bei großen Fluggesellschaften oder der Luftwaffe. Cordes selbst hat zuletzt den Airbus A 380 geflogen. Er ist nicht nur Pilot,  sondern Flugzeugingenieur und weist daher auch auf die Bedeutung für den Technik-Nachwuchs hin: „Wir brauchen Ingenieure und keine Influencer ohne jede Erfahrung.“ Durch das Fliegen und den Kontakt zur Technik können sogar Vorbehalte gegenüber den sogenannten MINT-Fächern (Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften und Technik) abgebaut werden – von der emotionalen Seite des selbstständigen Steuerns eines Flugzeugs ganz abgesehen. Die Dänen, sagt Claus Cordes,  machen es vor. Die Luftwaffe veranstalte jährlich Erlebniswochen für Jugendliche, ein Drittel entscheide sich danach für eine Karriere beim Militär.

 

Der Schleudersitz, auf dem Oliver Janoschka hockt, steht im Vereinsheim. Unklar ist, wo die Sportfluggruppe „landen“ wird.

Claus Cordes betont die Bedeutung kleiner Flugplätze für die Jugend.

 

Start im Mai 2026 zur Rallye zwischen den Meeren des Luftsportverbandes SH, die jedes Jahr von einem anderen Verein organisiert wird. Dieses Jahr war die SFG Husum an der Reihe.

 

 

 

 

Historische Rennautos auf dem Flugplatz Husum-Schwesing

von Birger Bahlo

Anton Schlenger-Evers vor seiner Triumph Spitfire GT6 – Foto: Jens Neumann

Sieht aus wie ein Formel-1-Rennwagen, und in ihm steckt die Beschleunigungskraft eines Elektromotors – Hingucker wie diesen gibt es in Hülle und Fülle bei den Classic Motor Days, die am Sonnabend, 2. Mai, auf dem Flugplatz Husum-Schwesing veranstaltet werden. Von 9 bis 17.30 Uhr geht es auf der Startbahn und den Taxyways andauernd rund. Doch die Aufgabe ist nicht, als Erster im Ziel zu sein, sondern möglichst elegant und gleichmäßig die vielen Kurven zu nehmen. Streckensprecher kommentieren diese Wertungsläufe, bei denen bemerkenswerte Oldtimer-Rennwagen vergangenen Zeiten ihren Auftritt haben.

Ein Höhepunkt dürften die Runden sein, die der Local Hero Holger Christian (69) aus Husum und weitere Kollegen aus den Nachbarkreisen auf ihren Renngespannen drehen. Holger Christian und seine Frau sind in der Region als Gründer des Küchenstudios in Arlewatt bekannt, das sie nach 25 Jahren verkauft hatten. Er fährt seit 33 Jahren ein Gespann von BMW, das 1967 in Schweden gebaut wurde. Halb Europa zwischen Holland und Tschechien hat er mit der Maschine bereist, nahm an vielen legendären Sandbahnrennen teil, war über viele Jahre Rennleiter im MSC Jübek. „Wir haben etwa halbe-halbe an Rennen und an Gleichmäßigkeitsfahrten teilgenommen“, erzählt er.

Holger Christian und Kollegen drehen Runden mit ihren Renngespannen. Foto: Horst Doering

Bei jedem Motorsportfan lässt der Opel Kadett C GTE (Bj. 1978) von Holger Knaack (64) aus Krumstedt (Dithmarschen) die Herzen höherschlagen. „Das Fahrzeug wurde für die Straßenrallye-Zulassung als 1.000er-Serie gebaut, alle gelb-weiß lackiert.“ Damit ist der schnittige Oldtimer eine echte Rarität

Oder wie wäre es mit einem Blick auf den Porsche 356 von Volker Weber, den Alfa Romeo GTV6 von Frank Keller oder die Rallye-Legende Lancia Delta Integrale EVO1 von Norbert Vollath? Der knallrote 210-PS-Flitzer könnte das Fahrzeug in unter sechs Sekunden von null auf 100 Stundenkilometer beschleunigen, doch darauf legen die Teilnehmer gar keinen Wert. Ihnen ist das Understatement lieber, sie wollen gar nicht auf die Tube drücken, sondern ihre hochwertigen Fahrzeuge sportlich bewegen.

Anton Schlenger-Evers, Vorsitzender des Vereins Classic Motor Days mit Sitz in Elmshorn, schildert das Szenario auf dem Husumer Flugplatz, das sich bei der Großveranstaltung bietet. Wer über die Straße Am Flugplatz zwischen Schwesing und der B 200 anreist, findet gleich hinter dem Tor reichlich Parkplätze vor. Der Husumer Sicherheitsdienst Kruppa sorgt am Eingang für Ordnung, auf dem Gelände ist ein knappes Dutzend Ordner unterwegs, um den Gästen die sicheren Wege zu weisen. Ein Anziehungspunkt dürfte das große Fahrerlager sein, in dem jeder in Pausen mit den Fahrern fachsimpeln oder seine Fragen zu den historischen Fahrzeugen und den nächsten Veranstaltungen stellen kann. Vielseitig ist zudem das Catering, das für alle Geschmacksrichtungen was zu bieten hat. Schlenger-Evers war als Ingenieur weltweit tätig, ist im Besitz mehrerer selbstrestaurierter Oldtimer-Automobile und ist leidenschaftlicher Oldtimer-Rennsportfahrer und Organisator.

Klaun A, alias Almuth Evers, macht jede Menge Späßchen. Foto: Horst Doering

Für jede Menge Spaß sorgt „Klaun A“, das Maskottchen des Vereins. Unterwegs auf einer Mofa sorgt der Clown ständig für viel Spaß, greift mit der Starterflagge gelegentlich ungefragt ins Geschehen ein und lenkt die Gäste immer wieder mit seinen witzigen Kommentaren ab. Dahinter verbirgt sich Almuth Evers, Anton Schlenger-Evers’ Partnerin. „Ich werde einfach für gute Laune sorgen und mit kindlicher Neugier das Geschehen aus meiner Sicht beschreiben.“

< Classic Motor Days: Sonnabend, 2. Mai, von 9 bis 17.30 Uhr auf dem Flugplatz Husum-Schwesing mit Oldtimer-Rundstrecke, Fahrerlager, Oldtimer-Parkplatz und Catering. Besucher-Tickets: 10 Euro zzgl. Gebühren bei Eventim light. Kinder bis zwölf Jahre zahlen keinen Eintritt. Parkplätze stehen kostenfrei zur Verfügung. Informationen im Internet: www.classicmotordays.de

Zu den Tickets geht es hier:

 

Krisenvorsorge: Jetzt handeln

von Birger Bahlo

Totalschaden in der Lebensmittelindustrie. Foto: Bockslaff

 

 

 

 

 

 

Ich gebe hier einen Artikel wieder, den Dr. Klaus Bockslaff (Foto) kürzlich bei Linkedin veröffentlicht hat. Ich teile sein Anliegen, Geschäftsleitungen auf die Haftungsrisiken aufmerksam zu machen, die mit einem unzureichenden Krisenmanagement für ihre Organisation verbunden sein können.

Mit Dr. Klaus Bockslaff verbindet mich seit fast 50 Jahren eine enge Freundschaft, gewachsen aus Studienzeiten in Göttingen. Durch ihn lernte ich viele Facetten der Risikovorsorge und des Krisenmanagements in Unternehmen im ganzen Bundesgebiet näher kennen, zuletzt durch meine Teilnahme an seiner Einführung in die ISO 22361. Sie setzt den internationalen Standard für das Krisenmanagement in Organisationen jeder Größe.

Seitdem nehme ich an den von ihm organisierten Video-Konferenzen teil, in denen Sicherheitsexperten von Unternehmen aus dem ganzen Bundesgebiet über ihr Krisenmanagement informieren, speziell zur Implantierung der Verfahren aus der ISO 22361.

Dr. Bockslaff ist Geschäftsführer der Verismo GmbH (www.verismo.ch) mit Standorten in Küsnacht (Schweiz) und Haßloch (Pfalz). Seine Schwerpunkte sind die Einrichtung von integrierten Managementsystemen auf den Gebieten des ganzheitlichen Risiko-, Kontinuitäts-, Notfall-, Sicherheits- und Krisenmanagements.

Hier der Artikel, den ich der regionalen Wirtschaft ans Herz lege.

"In der heutigen dynamischen und oft unvorhersehbaren Geschäftswelt ist effektives Krisenmanagement entscheidend für den Erfolg von Unternehmen. Viele Unternehmer und Berater, insbesondere jene mit einem anderen fachlichen Hintergrund, fühlen sich in diesem Bereich oft unsicher. Doch gerade in Krisenzeiten zeigt sich, wie gut ein Unternehmen wirklich aufgestellt ist.

Ein fehlendes oder unzureichendes Krisenmanagement kann erhebliche Haftungsrisiken für die Geschäftsleitung und das Unternehmen mit sich bringen. Gerichte leiten aus der Legalitätspflicht und Organisationspflicht explizit Pflichten zur Einrichtung von Krisenmanagement, Compliance- und Risikosystemen ab. Bei Verstößen drohen persönliche Haftung der Geschäftsleiter, Regress der Gesellschaft, Bußgelder und im Extremfall der Verlust von Schutzrechten.

Rechtliche Pflicht, kein Berater-Hobby

Krisen-, Risiko- und Compliance-Management sind heute aus KonTraG, StaRUG, GeschGehG und Rechtsprechung abgeleitete Pflichtaufgaben der Geschäftsleitung. Wer hier nichts oder nur Alibi-Maßnahmen hat, verletzt mit hoher Wahrscheinlichkeit seine Sorgfaltspflicht.

Haftung trifft zuerst die handelnden Personen, nicht „die Firma“

Innenhaftung, Regress, gegebenenfalls strafrechtliche Ermittlungen; die Business Judgement Rule hilft nicht weiter, wenn gar kein System existiert oder offensichtliche Risiken ignoriert werden.

Produktpiraterie, Know-how-Schutz & Cyberattacken sind ohne System kaum beherrschbar
Studien belegen: Der Großteil der Industrie ist betroffen. Effektive Abwehr setzt strukturierte Schutzmaßnahmen, Prozesse und Krisenreaktion voraus.

Ein schlankes Krisenmanagement reduziert nicht nur Risiken, sondern spart im Ernstfall Geld & Zeit
Schnellere Entscheidungen, weniger Chaos, bessere Position gegenüber Versicherern, Behörden, Kunden – und im Haftungsprozess.

„Angemessen“ heißt: zur Größe & Risikolage passend, nicht Konzernbürokratie
Für 50–500 MA reicht ein pragmatischer, gut dokumentierter Ansatz auf Basis anerkannter Standards (ISO 22361/22301, ISO 27001), der klar zeigt: „Wir haben unsere Hausaufgaben gemacht.“

Typische Einwände der GF und passende Antworten

Einwand 1:
„Wir sind zu klein für so ein System.“

Antwort: StaRUG und Rechtsprechung gelten rechtsformübergreifend, auch für mittelständische GmbH/SE. Der Maßstab ist „angemessen“, nicht „Konzernniveau“. In Haftungsverfahren wird gefragt: „Was haben Sie zur Krisenfrüherkennung und -bewältigung getan?“ „Nichts“ ist seit 2021 praktisch unhaltbar.

Einwand 2: „Das kostet nur Geld und bringt nichts.“

Antwort: VDMA-Zahlen zu Produktpiraterie und Schadenshöhen zeigen das Gegenteil: Ein einziger größerer Rückruf oder IP-Leak frisst mehrere Jahre Krisenbudget.

Einwand 3: „Wir haben doch Versicherungen.“

Antwort: Versicherer erwarten funktionierende Risiko- und Krisenmanagement-Strukturen; OLG-Rechtsprechung zeigt, dass unterlassene Vorsorge (oder grob unzureichender Versicherungsschutz) zu persönlicher Haftung führen kann.

Einwand 4: „Das ist Aufgabe der Fachabteilungen, nicht der GF.“

Antwort: Die Rechtsprechung spricht von Gesamtverantwortung des Vorstands/Geschäftsführers für Organisation und Compliance. Delegation entlastet nur, wenn Aufbau, Kontrolle und Ressourcen stimmen.

Es gilt zudem die Beweislastumkehr nach § 93 Abs. 2 AktG und § 43 Abs. 2 GmbHG. Diese Bestimmungen besagen, dass Vorstandsmitglieder einer Aktiengesellschaft bei Pflichtverletzungen persönlich schadensersatzpflichtig sind. Wenn ein Schaden entstanden ist, wird vermutet, dass das Vorstandsmitglied seine Pflichten verletzt hat. Das Vorstandsmitglied muss dann beweisen, dass es die Sorgfalt eines ordentlichen und gewissenhaften Geschäftsleiters angewendet hat. Ähnliches gilt nach dem GmbHG.

Ich lade alle Fachkollegen und Interessierten ein, an einer offenen Diskussion teilzunehmen, um Erfahrungen und Best Practices im Krisenmanagement auszutauschen. Lasst uns gemeinsam die wichtigsten Strategien und Werkzeuge beleuchten, die in Krisensituationen den Unterschied ausmachen können.

Anfang 2026 werde ich bei einem öffentlichen Webinar das Thema in 45 Minuten vertiefen. Seid dabei und bringt eure Fragen und Anregungen mit!"

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