Küstenweg am nordfriesischen Wattenmeer

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Blog Archiv Mai 2026

Aus für Flugplatz in Schwesing und die wirtschaftlichen Folgen

von Birger Bahlo

Schwesing. Kürzlich hat Kommodore Oberst Marco Manderfeld Schwesings Gemeindevertreter darüber informiert, dass der Flugplatz im Ort ab Herbst nächsten Jahres ausschließlich militärisch genutzt wird. Das bedeutet das Aus für jegliche zivile Mitnutzung – und davon gibt es jede Menge auf diesem etwas abseits gelegenen Gelände. Dort wird das israelisch-amerikanische Raketenabwehrsystem Arrow 3 stationiert, das ballistische Raketen außerhalb der Erdatmosphäre in Höhen von über 100 Kilometern abfängt. Das wird rund um die Uhr scharf geschaltet.

Der Verkehrslandeplatz Husum-Schwesing mit dem  internationalen Kürzel EDXJ, wie er offiziell heißt, hat eine kaum bekannte überregionale Bedeutung. So starten von dort immer wieder Organtransporte. Wegen der erforderlichen Schnelligkeit geschehe das mit Flächenflugzeugen, Hubschrauber seien keine Alternative, sagen Fachleute. Auch etliche Besucher der Windmesse in Husum nutzen den Platz. Im Vorjahr sei der Platz 6.273 mal angeflogen worden.

Die Firma Tennet, einer der größten Betreiber von Stromnetzen, hat sich dort fest etabliert und versorgt von dort mit Helikoptern Offshore-Anlagen. Firmen starten von Schwesing aus Vermessungsflüge. Andere dienen der Naturbeobachtung auf der Nordsee. Hubschrauber tanken, um die Stromtrassen in der Luft begutachten zu können. Patienten werden zwischen Rettungshubschrauber und Rettungswagen verlegt. Selbst der ADAC und die Bundespolizei fliegen den Platz regelmäßig an.

Ralph Kahl, ein Spezialist, der in seiner Werkstatt Luftfahrzeuge aus Norddeutschland und Skandinavien lackiert, ist für lange Zeit ausgebucht – und muss sich nun neu aufstellen. Sein Bruder Jens Kahl betreibt eine private Flugschule, die seit 2010 245 Luftfahrer ausgebildet hat. Das Luftfahrtunternehmen Fly-SPO hat in den Hangars auf dem Gelände vier Flugzeuge untergestellt. Die Geschäftsführer Susanne Scheithauer und Frank Koinzer hatten sich dort nach weltweiten Flügen auf Langstrecken großer Airlines niedergelassen, um von Schwesing aus ihre Rundflüge über das Wattenmeer anzubieten. Die Gesellschaft Flughafen Husum ist für den laufenden Betrieb auf dem Platz verantwortlich, verbunden mit fünf Dauerarbeitsplätzen. Sie kümmern sich um Geschäftsführung, den Dienst auf dem Tower sowie um Feuerwehr, Tankstelle, Beleuchtung der Landebahn sowie die Hallen und die Unterbringung der rund 20 Luftfahrzeuge dort.

Heimatlos ist damit auch die Sportfluggruppe Husum (SFG) mit ihren 110 Mitgliedern, von denen die Hälfte aktive Piloten sind. Etliche von ihnen haben Wurzeln in der Bundeswehr, denn die Luftwaffe hatte einst bundesweit an ihren Standorten Sportfluggruppen als Vereine gründen helfen. Über sie sollte der fliegerische Nachwuchs gewonnen werden. Volker Schlee ist zweiter Vorsitzender der SFG. Er war selbst bei der Luftwaffe und schwärmt von der großen Unterstützung seit den sechziger Jahren durch die Bundeswehr. Die unmittelbare Nachbarschaft – nur ein Eisenzaun trennt in Schwesing militärischen und zivilen Bereich – „hat immer funktioniert“, sagt er. Alle Fragen seien pragmatisch geklärt worden, auch mit dem jetzigen Kommodore Manderfeld. Schlee weiß aber auch, dass  die Luftwaffe auf etlichen Plätzen die Konversion, also die Umwandlung zu zivilen Zwecken abbremst oder Immobilien wieder reaktiviert.

„Uns schmerzt sehr, nun per Herbst 2027 gekündigt worden zu sein“, sagt Oliver Janoschka, Vorsitzender der SFG. Gespräche, wo Mitglieder und Maschinen unterkommen können, haben begonnen. Fast wöchentlich gibt es Treffen mit Vereinen im Land, die ihre Flugplätze noch nutzen können. Irgendwann werden die Mitglieder entscheiden, wo sie ihren Sport fortsetzen wollen, erklärt Janoschka.

Claus Cordes ist Präsident des Luftsportverbandes Schleswig-Holstein und des Dachverbandes Deutscher Aero-Club. Er sieht den Verlust jedes Flugplatzes in Deutschland kritisch, denn Jugendliche können bereits ab 14 Jahren fliegen lernen. Sie seien auf kurze Wege zu Plätzen und Vereinen angewiesen. Für viele sei beispielsweise der Segelflug der Grundstein für eine erfolgreiche Karriere bei großen Fluggesellschaften oder der Luftwaffe. Cordes selbst hat zuletzt den Airbus A 380 geflogen. Er ist nicht nur Pilot,  sondern Flugzeugingenieur und weist daher auch auf die Bedeutung für den Technik-Nachwuchs hin: „Wir brauchen Ingenieure und keine Influencer ohne jede Erfahrung.“ Durch das Fliegen und den Kontakt zur Technik können sogar Vorbehalte gegenüber den sogenannten MINT-Fächern (Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften und Technik) abgebaut werden – von der emotionalen Seite des selbstständigen Steuerns eines Flugzeugs ganz abgesehen. Die Dänen, sagt Claus Cordes,  machen es vor. Die Luftwaffe veranstalte jährlich Erlebniswochen für Jugendliche, ein Drittel entscheide sich danach für eine Karriere beim Militär.

 

 

Historische Rennautos auf dem Flugplatz Husum-Schwesing

von Birger Bahlo

Anton Schlenger-Evers vor seiner Triumph Spitfire GT6 – Foto: Jens Neumann

Sieht aus wie ein Formel-1-Rennwagen, und in ihm steckt die Beschleunigungskraft eines Elektromotors – Hingucker wie diesen gibt es in Hülle und Fülle bei den Classic Motor Days, die am Sonnabend, 2. Mai, auf dem Flugplatz Husum-Schwesing veranstaltet werden. Von 9 bis 17.30 Uhr geht es auf der Startbahn und den Taxyways andauernd rund. Doch die Aufgabe ist nicht, als Erster im Ziel zu sein, sondern möglichst elegant und gleichmäßig die vielen Kurven zu nehmen. Streckensprecher kommentieren diese Wertungsläufe, bei denen bemerkenswerte Oldtimer-Rennwagen vergangenen Zeiten ihren Auftritt haben.

Ein Höhepunkt dürften die Runden sein, die der Local Hero Holger Christian (69) aus Husum und weitere Kollegen aus den Nachbarkreisen auf ihren Renngespannen drehen. Holger Christian und seine Frau sind in der Region als Gründer des Küchenstudios in Arlewatt bekannt, das sie nach 25 Jahren verkauft hatten. Er fährt seit 33 Jahren ein Gespann von BMW, das 1967 in Schweden gebaut wurde. Halb Europa zwischen Holland und Tschechien hat er mit der Maschine bereist, nahm an vielen legendären Sandbahnrennen teil, war über viele Jahre Rennleiter im MSC Jübek. „Wir haben etwa halbe-halbe an Rennen und an Gleichmäßigkeitsfahrten teilgenommen“, erzählt er.

Holger Christian und Kollegen drehen Runden mit ihren Renngespannen. Foto: Horst Doering

Bei jedem Motorsportfan lässt der Opel Kadett C GTE (Bj. 1978) von Holger Knaack (64) aus Krumstedt (Dithmarschen) die Herzen höherschlagen. „Das Fahrzeug wurde für die Straßenrallye-Zulassung als 1.000er-Serie gebaut, alle gelb-weiß lackiert.“ Damit ist der schnittige Oldtimer eine echte Rarität

Oder wie wäre es mit einem Blick auf den Porsche 356 von Volker Weber, den Alfa Romeo GTV6 von Frank Keller oder die Rallye-Legende Lancia Delta Integrale EVO1 von Norbert Vollath? Der knallrote 210-PS-Flitzer könnte das Fahrzeug in unter sechs Sekunden von null auf 100 Stundenkilometer beschleunigen, doch darauf legen die Teilnehmer gar keinen Wert. Ihnen ist das Understatement lieber, sie wollen gar nicht auf die Tube drücken, sondern ihre hochwertigen Fahrzeuge sportlich bewegen.

Anton Schlenger-Evers, Vorsitzender des Vereins Classic Motor Days mit Sitz in Elmshorn, schildert das Szenario auf dem Husumer Flugplatz, das sich bei der Großveranstaltung bietet. Wer über die Straße Am Flugplatz zwischen Schwesing und der B 200 anreist, findet gleich hinter dem Tor reichlich Parkplätze vor. Der Husumer Sicherheitsdienst Kruppa sorgt am Eingang für Ordnung, auf dem Gelände ist ein knappes Dutzend Ordner unterwegs, um den Gästen die sicheren Wege zu weisen. Ein Anziehungspunkt dürfte das große Fahrerlager sein, in dem jeder in Pausen mit den Fahrern fachsimpeln oder seine Fragen zu den historischen Fahrzeugen und den nächsten Veranstaltungen stellen kann. Vielseitig ist zudem das Catering, das für alle Geschmacksrichtungen was zu bieten hat. Schlenger-Evers war als Ingenieur weltweit tätig, ist im Besitz mehrerer selbstrestaurierter Oldtimer-Automobile und ist leidenschaftlicher Oldtimer-Rennsportfahrer und Organisator.

Klaun A, alias Almuth Evers, macht jede Menge Späßchen. Foto: Horst Doering

Für jede Menge Spaß sorgt „Klaun A“, das Maskottchen des Vereins. Unterwegs auf einer Mofa sorgt der Clown ständig für viel Spaß, greift mit der Starterflagge gelegentlich ungefragt ins Geschehen ein und lenkt die Gäste immer wieder mit seinen witzigen Kommentaren ab. Dahinter verbirgt sich Almuth Evers, Anton Schlenger-Evers’ Partnerin. „Ich werde einfach für gute Laune sorgen und mit kindlicher Neugier das Geschehen aus meiner Sicht beschreiben.“

< Classic Motor Days: Sonnabend, 2. Mai, von 9 bis 17.30 Uhr auf dem Flugplatz Husum-Schwesing mit Oldtimer-Rundstrecke, Fahrerlager, Oldtimer-Parkplatz und Catering. Besucher-Tickets: 10 Euro zzgl. Gebühren bei Eventim light. Kinder bis zwölf Jahre zahlen keinen Eintritt. Parkplätze stehen kostenfrei zur Verfügung. Informationen im Internet: www.classicmotordays.de

Zu den Tickets geht es hier:

 

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Birger Bahlo

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